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Psychisches Trauma
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Geschichte der Traumaforschung
TRAUMA:
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    KURZGESCHICHTE
    Montag 21.4.2014
    FREI SEIN ? !




    Der Schnellzug Paris-Basel erfasst an einer nicht geschlossenen Schranke bei Roissy-en-Brie ein mit 6 Personen besetztes Automobil, Mai 1904.
    V o n   B a r b a r a   S t r ä u l i - E i s e n b e i s s

    Die Geschichte der Traumaforschung ist eine wechselvolle und zähe Angelegenheit. Es dauerte bis in die siebziger und achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts, bis die Wissenschaft sich systematisch mit der Thematik auseinanderzusetzen begann. Dabei waren die Auswirkungen traumatischer Erlebnisse schon lange bekannt und in der Literatur schon mehrfach beschrieben worden. Ein Beispiel dafür ist die Aufzeichnung des englischen Schriftstellers Samuel Pepys, der imJahre 1666 Zeuge des verheerenden Stadtbrandes von London wurde. Sechs Monate nach der Katastrophe notierte er:
    »Wie merkwürdig, dass ich bis zum heutigen Tag keine Nacht schlafen kann, ohne von grosser Angst vor dem Feuer erfasst zu werden; und in dieser Nacht lag ich bis fast zwei Uhr morgens wach, weil mich die Gedanken an das Feuer nicht losliessen.«
    Ende des 19. Jahrhunderts prägte der deutsche Psychiater Emil Kraepelin (1865-1926) den Begriff der Schreckneurose, um die mannigfaltigen nervösen und psychischen Erscheinungen, die Gemütserschütterungen und ängste zu beschreiben, die er bei Opfern von schweren Unfällen und Verletzungen, besonders von Feuersbrünsten, Entgleisungen oder Zusammenstössen auf der Eisenbahn, beobachtet hatte.
    1. Kapitel - Der Schrecken des Ersten Weltkriegs

    Ins öffentliche Bewusstsein drang die Realität psychischer Traumata aber erst im Laufe des Ersten Weltkriegs, als die mörderischen Stellungskriege bei vielen Soldaten zu Symptomen führten, die man in der Psychiatrie bislang nur bei Frauen mit Hysterie diagnostiziert hatte. Das Eingepferchtsein in Schützengräben, die ständige Angst vor Verwundung und Tod, das Mitansehenmüssen des elenden Sterbens von Kameraden erschütterte die Männer in ihrem innersten Wesen. Viele hielten das grässliche Leiden und den chronischen Stress nicht mehr aus; sie schrien und weinten unkontrolliert, andere erstarrten, konnten sich nicht mehr bewegen und wurden stumm; wieder andere verloren das Gedächtnis und die Fähigkeit, Gefühle zu empfinden. Die Zahl der Opfer stieg dermassen an, dass die Notwendigkeit einer psychiatrischen Behandlung nicht mehr übersehen werden konnte und so schnell wie möglich Krankenhäuser für eine Unterbringung bereitgestellt werden mussten. Gemäss Schätzungen machten psychische Zusammenbrüche bei den Briten 40 Prozent der Kriegsverletzungen aus.

    Die verschiedenen Symptome verschwanden mit dem Ende des Krieges jedoch nicht einfach, wie man es erwartet hatte, sondern blieben bei vielen Betroffenen weiter bestehen. Ein britischer Offizier, der im Krieg während mehrerer Tage zusammen mit seinem Sergeanten ohne Wasser und Nahrung auf feindlichem Gebiet in einer Falle gesessen hatte, schrieb über seine anhaltenden Beschwerden:
    »Heute werde ich von Träumen verfolgt, in denen ich die Granaten explodieren und pfeifend durch die Luft fliegen höre. Immer wieder sehe ich meinen Sergeanten, tot und lebendig, und ich habe deutlich die Bilder vor Augen, wie ich versuche, zu unseren Leuten zurückzukommen. Manchmal spüre ich in den Träumen den grossen Hunger und Durst, den ich damals hatte. Wenn ich aufwache, habe ich das Gefühl, als ob mir alle Kraft aus den Knochen gewichen wäre, und bin schweissgebadet. Zuerst weiss ich gar nicht, wo ich bin, und meine Umgebung nimmt die Form der Ruinen an, in denen ich mich so lange versteckt hielt. Manchmal meine ich, gar nicht richtig aufzuwachen und wieder einzudösen, und dann denke ich manchmal, dass ich im Krankenhaus bin, und dann wieder, dass ich noch in Frankreich bin. Den Tag über, wenn ich so dasitze und nichts Besonderes mache und merke, wie ich vor mich hin döse, kehre ich in Gedanken immer sofort nach Frankreick zurück.«

    Ähnliche Symptome beschrieb der Dichter Robert Graves, der sich auch im zivilen Leben weiter so verhielt, als läge er noch im Schützengraben:
    »Mein Verstand und meine Nerven waren immer auf Krieg eingestellt.
    Um Mittemacht explodierten Granaten auf meinem Bett, obwohl Nancy bei mir lag; tagsüber nahmen Fremde die Gesichter von Freunden an, die gefallen waren. Als ich stark genug war, den Hügel hinter Harlech zu erklimmen, um einen Blick auf die Landschaft zu werfen, die ich am meisten liebte, sah ich nur ein potentielles Schlachtfeld.«

    Wie der Umgang mit den kranken Männern und die Einschätzung ihrer Kriegsneurosen zeigt, stiessen die Betroffenen im allgemeinen auf wenig Verständnis. Es wurde in der Regel bezweifelt, dass das traumatische Ereignis die wesentliche Ursache für die Symptome darstellte. Viele Experten hielten organische Faktoren für entscheidend. So wurde zum Beispiel die These vorgebracht, die Ursache des sogenannten Granatenschocks seien ins Gehirn gelangte kleinste Teile explodierter Bomben. Andere Experten bezweifelten die Echtheit der berichteten Symptome und hielten in den meisten Fällen Simulieren und den Wunsch nach finanzieller Kompensation für die wesentliche Wurzel der Symptome. Wieder andere waren der Meinung, die Symptome seien auf den zweifelhaften Charakter des Patienten oder auf bereits bestehende psychische störungen zurückzuführen. Mediziner mit dem traditionellen, konservativen Männerbild verurteilten die Kranken als Feiglinge und als "moralische Invalide"; nach ihrem Dafürhalten zieht ein "rechter" Mann bereitwillig in den Krieg, zeigt keine Gefühle und zerbricht vor allem nicht. In diesem Sinne verlautete damals aus mancher Militärbehörde, dass solche Soldaten es nicht verdienten, als Patienten behandelt zu werden, sondern vor ein Kriegsgericht gestellt oder unehrenhaft aus der Armee entlassen werden sollten.

    Auf Grund dieser verbreiteten Einstellung kam es nach dem Ersten Weltkrieg trotz der zahllosen Geschädigten zu keiner wirklichen Erforschung der Traumaproblematik. Die Betroffenen wurden mehr oder weniger sich selbst überlassen, und das Interesse der Mediziner wie auch der Öffentlichkeit nahm nach dem Krieg wieder ab.
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