
Überlebende, Angehörige und Retter gedenken der 21 Opfer des Canyoning-Unglücks
in der Saxeten-schlucht (Schweiz) vom 27. Juli 1999.
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"Psychisches Trauma ist das Leid der Ohnmächtigen. Das Trauma entsteht in dem Augenblick, wo das
Opfer von einer überwältigenden Macht hilflos gemacht wird. Ist diese Macht eine Naturgewalt,
sprechen wir von einer Katastrophe. Üben andere Menschen diese Macht aus, sprechen wir von
Gewalttaten. Traumatische Ereignisse schalten das soziale Netz aus, das dem Menschen gewöhnlich das
Gefühl von Kontrolle, Zugehörigkeit zu einem Beziehungssystem und Sinn gibt."
| (Judith Hermann, Die Narben der Gewalt, München 1993, S. 54) |
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In
der Umgangssprache wird ein Ereignis schnell einmal als »traumatisierend« bezeichnet.
Doch vielfach wird dieser Begriff nicht richtig angewendet. Ein psychisches Trauma ist in der
Fachsprache der Psychologie ein tiefgreifendes Erlebnis, das den Rahmen üblicher menschlicher
Erfahrung sprengt und die seelischen und biologischen Bewältigungsmechanismen des Menschen
überfordert. Traumatische Ereignisse bedrohen das Leben oder die körperliche Unversehrtheit und
versetzen den Betroffenen in extreme Hilflosigkeit und Angst. Ein Trauma kann verursacht werden
durch eine Naturkatastrophe, durch einen schweren Unfall oder das Erleben von Gewalt.
Heute ist bekannt, dass ein traumatisches Erlebnis nicht spurlos am Menschen vorübergeht. Viele
Opfer entwickeln schwere psychische Störungen. Über die langfristigen seelischen Folgen
schrecklicher Geschehnisse wurde in der Medizin und der Öffentlichkeit lange geschwiegen; sie
wurden verdrängt und tabuisiert und die Betroffenen nicht selten als Simulanten gebrandmarkt. Bis
die Opfer von Traumata endlich Anerkennung ihrer Leiden und fachliche Hilfe fanden, brauchte es lange.
Traumatische
Ereignisse gelten als aussergewöhnliche Vorkommnisse. Sie werden definiert als »ausserhalb der
üblichen menschlichen Erfahrung« liegend. Doch traumatische Ereignisse sind nicht deshalb
aussergewöhnlich, weil sie selten sind, sondern weil sie die normalen Anpassungsstrategien des
Menschen überfordern.
Wie die Erfahrung von Klinikern und Therapeuten zeigt, ist es nach dem Erleben eines schweren
Unfalls, einer Naturkatastrophe oder einer Gewalttat ausserordentlich wichtig, die Betroffenen klar
und detailliert über mögliche posttraumatische Reaktionen zu informieren. Wurde einem Opfer erklärt,
auf welche Weise es mit eventuell auftretenden Störungen umgehen kann beziehungsweise welche
Verhaltensweisen es vermeiden sollte, so wird es viel eher fähig sein, sein schreckliches
Erlebnis zu verarbeiten. Die Notwendigkeit einer Aufklärung gilt auch für Familienangehörige und
Freunde. Durch das Wissen, dass es infolge eines Traumas zu Spannungen und Konflikten in den
persönlichen Beziehungen kommen kann, sind sie besser in der Lage, das Opfer einer Gewalttat oder
eines Unglücks zu verstehen und angemessen auf sein Verhalten zu reagieren.
Von Bedeutung ist das Wissen über Traumata und ihre Auswirkungen auch für die Haltung gegenüber
Kriegsflüchtlingen und Überlebenden organisierter Gewalt, die Asyl in unseren Ländern suchen.
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