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wo fängt man an?
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Sarafina



Anmeldungsdatum: 13.01.2009
Beiträge: 49

BeitragVerfasst am: Mi 04.Nov.2009 12:38    Titel: wo fängt man an? Antworten mit Zitat

hallo....

ich hab keine ahnung, ob ich borderline habe oder ob es nen anderen grund für alles gibt. auf jeden fall habe ich im letzten halben jahr mehrere male einen onlineselbsttest gemacht, in dem immer raus kam, dass es wahrscheinlich ist, dass eine borderlinestörung vorliegt.
habe diesen test in unterschiedlichen stimmungen gemacht, um auszuschließen, dass ich einige antworten aus einer schlechten verfassung heraus gebe. außerdem habe ich mich zwischenzeitlich noch so darüber belesen wo ich konnte und ich find mich einfach überall wieder. ich hab mir den bericht bei wiki durchgelesen gehabt darüber und es war als hätte man endlich alle antworten bekommen. nun stand bei dem test natürlich auch dabei, dass es nur eine vermutung ist und keine onlinediagnostizierung geben kann. jetzt überleg ich wie ich weiter machen soll. geh ich damit zu einem hausarzt? oder ruft man direkt bei nem psychologen an? kann man jeden anrufen oder gibt es da bestimmte, die für sowas "zuständig" sind?
haben die ebenfalls eine art test mit der die das eindeutig bestimmen können? reicht dazu eine sitzung, oder braucht es ne zeitlang, bis man eine eindeutige antwort erhält, ob man nun bps hat oder nicht?
wenn es länger dauert, muss ich diese sitzungen bezahlen? oder etwas dazubezahlen? und kann man dann, wenn man sowieso schon deswegen ne thera macht, dies gleich "vermischen" mit anderen dingen, weswegen man vielleicht sowieso schon eine thera hätte machen sollen?

mir fallen sicher noch mehr fragen ein *knirsch*
n thema was sich schlecht im bekanntenkreis diskutieren lässt Smile

lg, sarafina
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foxy



Anmeldungsdatum: 04.09.2009
Beiträge: 126
Wohnort: winterthur - winterhurt

BeitragVerfasst am: Mi 04.Nov.2009 12:59    Titel: Antworten mit Zitat

hallo,

ich finde online diagnosen nicht so gut. und selbstdiagnosen schon gar nicht.
ich würde dir raten das medizinisch abklären zu lassen. falls es für dich wichtig ist, eine diagnose zu haben.

lg

foxy
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Sarafina



Anmeldungsdatum: 13.01.2009
Beiträge: 49

BeitragVerfasst am: Mi 04.Nov.2009 13:02    Titel: Antworten mit Zitat

würd ich gern machen, daher die fragen...

lg
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foxy



Anmeldungsdatum: 04.09.2009
Beiträge: 126
Wohnort: winterthur - winterhurt

BeitragVerfasst am: Mi 04.Nov.2009 13:11    Titel: Antworten mit Zitat

wie alt bist du? aus deutschland?
der hausarzt kann dir vllt paar adressen geben.
du kannst dich aber auch selbst mit einem therapeuten einen termin ausmachen. schau im internet oder im telefonbuch nach.
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Sarafina



Anmeldungsdatum: 13.01.2009
Beiträge: 49

BeitragVerfasst am: Mi 04.Nov.2009 13:12    Titel: Antworten mit Zitat

26 aus deutschland, ich werd einfach im inet weitersuchen, trotzdem danke
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foxy



Anmeldungsdatum: 04.09.2009
Beiträge: 126
Wohnort: winterthur - winterhurt

BeitragVerfasst am: Mi 04.Nov.2009 13:13    Titel: Antworten mit Zitat

www.therapiedschungel.ch
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Jordan



Anmeldungsdatum: 29.07.2009
Beiträge: 409
Wohnort: im Norden

BeitragVerfasst am: Mi 04.Nov.2009 20:38    Titel: Antworten mit Zitat

Der beste Weg führt immer über den Hausarzt. Das geht aber natürlich nur, wenn Du einen oder eine hast, dem bzw. der Du vertrauen kannst. Bei mir war es so, dass ich zu meiner Ärztin gegangen bin und ihr erzählt habe, was mich alles psychisch so beschäftigt und dass ich deswegen gern eine Therapie machen würde. Natürlich nicht in vielen Details, aber so im groben Rahmen. Sie stellte bei mir die Diagnose Depression, später dann auch noch mal eine PTBS wegen des Missbrauchs. Dann hat sie mich an den Psychotherapeuten überwiesen, aber mich auch noch mal auf die medikamentösen Möglichkeiten hingewiesen.

Wenn Du den Verdacht hast, bei Dir könnte es Borderline sein, dann erzähle Deinem Hausarzt davon, wenn Du kannst. Du kannst Dich aber auch direkt an einen Therapeuten wenden, dort hast Du fünf Sitzungen lang die Chance, zu schauen, ob der- oder diejenige hilfreich für Dich ist und Dein Problem verstehen kann. Das und in den allermeisten Fällen auch die weitere psychotherapeutische Behandlung wird in Deutschland von den Kassen getragen bis zu einer bestimmten Stundenzahl. Hast Du Dich für einen entschieden, dann beantragt der für Dich erst einmal ein bestimmtes Maß an Sitzungen bei der Kasse, und meistens wird der Antrag positiv beschieden. Der Weg über den Hausarzt ist auch sinnvoll, weil der Therapeut und der Arzt in einem sogenannten Konsiliarbericht miteinander abklären, ob es auch mögliche körperliche Ursachen für Deine Beschwerden geben könnte, die sich durch eine Psychotherapie nicht beeinflussen lassen. Das ist aber alles kein Drama und klingt komplizierter, als es ist.

Besondere Borderline-Spezialisten mag es unter den Psychotherapeuten durchaus geben, aber das erkennt man nicht an der Berufsbezeichnung, das kann man nur im Gespräch herausfinden. Es gibt in Deutschland drei Arten kassenzugelassener Therapeuten, und darauf solltest Du achten: Psychologische Psychotherapeuten (die haben Psychologie studiert und dann eine Zusatzausbildung gemacht), ärztliche Psychotherapeuten (mit Medizinstudium und psychologischer Zusatzausbildung) und Heilpraktiker mit Erlaubnis zur Ausübung der Psychotherapie. Meiner ist ein Psychologischer Psychotherapeut, damit bin ich bislang sehr gut gefahren.

Ich würde an Deiner Stelle von dem Verdacht berichten, aber auch nicht unbedingt darauf beharren. Wenn es noch andere Dinge gibt, die Du gern in einer Therapie bearbeiten willst, dann berichte auch davon. Es ist nicht immer leicht, offen zu sein, aber es ist sinnvoll. Dann kannst Du auch gleich ausloten, wer Dir sympathisch ist und den Eindruck macht, Dich zu verstehen. Auf jeden Fall ist es wichtig, dass Dich Dein Gegenüber ernstnimmt und Du das Gefühl hast, die Probleme, wie auch immer man sie dann benennt, in Angriff nehmen zu können. Lass dabei auch den ersten Eindruck gelten: Wie ist die Stimme? Kann ich Freundlichkeit und Zugewandtheit spüren? Sieht mich der als Mensch oder nur als Fall? Auf das Bauchgefühl zu hören hilft sehr.

Eine definitive Antwort bringt Dir ein Online-Test nicht, auch wenn er Dir eine Richtung andeuten kann. Auch Therapeuten und Ärzte haben Fragenkataloge und allgemein festgelegte Kriterien, nach denen sie schauen können, um eine Diagnose zu finden. Aber ein Mensch ist halt so viel mehr, als man in ein paar Fragen beantworten kann. Ärzte und Therapeuten haben die Erfahrung, das auch zu sehen - zumindest, wenn sie gut sind.

Zur Suche schau mal bei der Bundespsychotherapeutenkammer:
http://www.bptk.de/patienten/therapeuten_suche/index.html

Ich wünsche Dir viel Glück, und wenn noch Fragen sind, frag. Ich bin zwar keine Expertin, aber habe ja auch selbst gesucht und dabei recht viel gelesen. Ich hoffe, ich konnte helfen.

Alles Liebe,

Jordan
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Die Eltern sollen uns nie das Leben lehren wollen, denn sie lehren uns ihr Leben.

R. M. Rilke
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Sarafina



Anmeldungsdatum: 13.01.2009
Beiträge: 49

BeitragVerfasst am: Mi 04.Nov.2009 22:21    Titel: Antworten mit Zitat

vielen lieben dank, dass du dir die zeit für eine so ausführliche antwort genommen hast Smile
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Jordan



Anmeldungsdatum: 29.07.2009
Beiträge: 409
Wohnort: im Norden

BeitragVerfasst am: Do 05.Nov.2009 12:06    Titel: Antworten mit Zitat

Sehr gerne. Das ist das, was ich noch so im Kopf behalten hatte, und wenn ich es recht verstanden habe, auch das, worauf Deine Fragen abzielten, oder?

Ich hoffe sehr, Du kannst etwas damit anfangen und findest gute Hilfe für Dich.

Alles Liebe,

Jordan
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R. M. Rilke
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Sarafina



Anmeldungsdatum: 13.01.2009
Beiträge: 49

BeitragVerfasst am: Do 05.Nov.2009 12:34    Titel: Antworten mit Zitat

ja, deine antwort hat echt alles beinhaltet, was ich so für fragen hatte. ich werd jetzt noch ein wenig abwarten müssen, bis ich meinen führerschein habe und dann werd ich zum hausarzt fahren und das einfach auch mal ganz grob so weitergeben. hoffentlich reicht es so grob wie möglich.
hoffe mal, der ausschluss von körperlichen beschwerden bedeutet nicht eine rundumuntersuchung *grusel* - ich hasse ärzte...
aber der gang zum hausarzt ist erstmal schon leichter, als direkt bei nem psychologen anzurufen und sich nen termin zu holen.

liebe grüsse

sarafina
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Jordan



Anmeldungsdatum: 29.07.2009
Beiträge: 409
Wohnort: im Norden

BeitragVerfasst am: Do 05.Nov.2009 13:01    Titel: Antworten mit Zitat

Da kann ich Dich beruhigen - es geht in Sachen körperliche Beschwerden nur mal erst um das, was dem Hausarzt irgendwie bekannt ist. Wenn Du schon einen festen hast, dann hat der ja auch grundlegende Infos von Dir.

Ich kann Dich gut verstehen, mir geht es mit Ärzten genau so...

Alles Gute übrigens für Deinen Führerschein. Daumen sind gedrückt!

Herzliche Grüße,

Jordan
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R. M. Rilke
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Sarafina



Anmeldungsdatum: 13.01.2009
Beiträge: 49

BeitragVerfasst am: Do 05.Nov.2009 13:33    Titel: Antworten mit Zitat

zu meinem eigentlichen hausarzt kann ich nicht mehr gehen, erstmal praktiziert der seit diesem jahr nicht mehr und zum zweiten geht meine ganze familie dahin und der kennt uns alle von klein auf. es gibt zwar schweigepflicht und so, aber ich wär irgendwie ungern zum ihm gegangen mit sowas.
vor kurzem war ich mit meinem mann zusammen bei einer ärztin, die war total nett. war auch gar nicht son ärztegefühl da gewesen. da wollte ich dann wieder hingehen. können ärzte untereinander so akten hin- und herschieben, oder müsste sie dann doch so einen rundumcheck machen, weil sie mich ja nun noch nicht wirklich kennt?

ich werd mal sehen. wenn ich da war, schreib ich wie es weiter geht... das mit dem führerschein klingt auch so ein bissi nach ausrede, aber ich hab gedacht, dass es ja nicht mit dem arztbesuch getan ist und ich ja auch danach noch mobil sein muss, um zur thera zu kommen und die kinder irgendwo unterzubringen für die stunden. voll kompliziert alles...

im nachhinein ärger ich mich ein wenig. ich hab schonmal eine thera "angefangen", sprich ich sollte eine machen, da war ich aber 15 und hab in keiner einzigen sitzung die ich da war irgendwas gesagt, ich hab einfach meine zeit dort abgesessen und irgendwann haben sie es dann aufgegeben. jetzt würd ich mir wünschen, dass ich es angenommen hätte, dann müsst ich mich jetzt nicht damit rumschlagen Rolling Eyes

liebe grüsse

sarafina
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Jordan



Anmeldungsdatum: 29.07.2009
Beiträge: 409
Wohnort: im Norden

BeitragVerfasst am: Do 05.Nov.2009 15:29    Titel: Antworten mit Zitat

Sarafina, das kann ich gut verstehen, dass Du nicht dort hin gehen möchtest, wo Deine ganze Familie ist. Gut, dass Du eine nette Ärztin gefunden hast.

Ich denke, Ärzte können auch Akten hin- und herschieben, aber ich glaube, das wird gar nicht nötig werden. Ich kann Dir natürlich nicht ganz genau sagen, wie das mit ihr ablaufen wird. Aber bei mir war es so, dass das Gespräch mit meiner Ärztin ausgereicht hat. Da kann man ja schon ganz gut ausloten, ob jemand Beschwerden hat. Letztlich geht es hauptsächlich darum, dass Arzt und Therapeut nicht völlig "gegeneinander wirtschaften".

Den Führerschein schaffst Du bestimmt, und dann hast Du ein Etappenziel erreicht. Ausrede hin oder her, es ist doch ganz wichtig, dass Du alles so machst, wie Du es am besten kannst. Im Übrigen ist es ein tolles Gefühl, mobil zu sein.

Deinen Ärger wegen der angefangenen Therapie kann ich verstehen. Auf der anderen Seite: Wenn Du das machen solltest, aber Dich damals selbst nicht einbringen konntest und wolltest, dann war vielleicht die Zeit noch nicht reif. Damit es etwas bringt, muss man schon selbst wollen, und das kann Dir eben keiner "verordnen". Du hattest bestimmt damals Deine Gründe, Dich zu verschließen.

Mir ging es so ähnlich mit meiner ersten Therapie. Sie hat mir sehr geholfen, aber ich habe damals zum Beispiel gedacht, ich müsste meine Missbrauchserfahrung nicht zur Sprache bringen - ich dachte, ich brauche das nicht, weil ich sowieso wusste, was los ist. Und die ganze Beziehung zu meiner Mutter war auch kein Thema. Mein damaliger Therapeut war klasse, aber die Zeit war halt noch nicht gekommen, diese anderen schwierigen Themen auf den Tisch zu bringen.

Liebe Sarafina, alles hat seine Zeit. Betrachte das als Schritte auf dem Weg, um heil zu werden...

Herzliche Grüße,

Jordan
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R. M. Rilke
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Sarafina



Anmeldungsdatum: 13.01.2009
Beiträge: 49

BeitragVerfasst am: Do 05.Nov.2009 17:37    Titel: Antworten mit Zitat

also meinst du reicht es auf dauer nicht, wenn man nur nen bestimmten teil anspricht? muss es denn immer gleich alles sein? ich möcht ja nur ein paar bestimmte "unarten" los werden Embarassed
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Jordan



Anmeldungsdatum: 29.07.2009
Beiträge: 409
Wohnort: im Norden

BeitragVerfasst am: Do 05.Nov.2009 18:26    Titel: Antworten mit Zitat

Ich denke, das hängt ganz allein von Dir ab und sollte es auch. Das, was Dich in Deinem Leben behindert oder quält und was Du gern bearbeitet wissen möchtest, solltest Du ansprechen. Es hilft ganz und gar nichts, wenn Du Dich zu irgendwas zwingst.

Meine ganz persönliche Erfahrung hiermit, die sich aber nicht verallgemeinern lässt, war die: Als ich in meiner ersten Therapie war, war es noch nicht Zeit für mich, gewisse Dinge anzusprechen. Ich hatte vor allem eine mehr als heftige Prüfungsangst, dazu kam eine soziale Phobie, und diese Dinge standen mir zu dem Zeitpunkt sehr im Wege. Deswegen habe ich mich vor allem mit dem Leistungsdruck auseinandergesetzt, der in meiner Familie herrschte, und z.B. mit meinem Gefühl, es nie gut genug machen zu können. Dabei spielte mein autoritärer Vater eine große Rolle, aber auch meine Schulgeschichte, die nicht unbedingt eine glückliche war.

Sehr viel später erst habe ich erkannt, dass noch viel mehr Dinge eine Rolle spielten. Ich habe gemerkt, dass ich zwar mit der ersten Therapie ein gutes Stück vorangekommen war, aber es waren auch ganz viele Dinge unbearbeitet geblieben, denen ich mich damals noch nicht stellen konnte oder wollte. Heute habe ich weniger Angst davor, bestimmte Sachen "erzählen zu müssen", sondern eher, sie zum Ende der Therapie möglicherweise nicht bearbeitet zu haben und dann in ein paar Jahren wieder allein damit zu stehen, weil die "Leichen in meinem Keller" (entschuldige den drastischen Ausdruck) sich verselbständigen und ich nicht gelernt habe, mich ihnen zu stellen und mit ihnen umzugehen. Jetzt bin ich in der Situation, dass ich sage, es gibt da einen Menschen, dem ich voll und ganz vertraue (meinem Therapeuten), und jetzt bin ich bereit, mich meiner ganzen Geschichte zu stellen und dadurch heil zu werden.

Das ist aber nicht der einzige und wahre Weg. Es gibt glaube ich auch eine Menge Menschen, die z.B. eine Verhaltenstherapie machen und prima damit zurechtkommen, neue Lösungen für ihr Leben zu lernen, ohne dabei in den alten Geschichten rumzuwühlen. Ich mache eine tiefenpsychologisch fundierte Therapie, da sieht die Sache etwas anders aus und man setzt sich viel mehr mit der Vergangenheit auseinander, was mir persönlich sehr wichtig ist.

Verstehe ich das richtig, Sarafina, und hast Du Angst davor, alles "auspacken zu müssen"? Das finde ich vollkommen verständlich. Du darfst nur nicht vergessen, dass das alles ein Prozess ist, an dem Du maßgeblich beteiligt bist, d.h. es wird nicht einfach etwas mit Dir gemacht, sondern Du gestaltest das mit. Ein guter Therapeut respektiert auch, wenn Du Zeit brauchst oder über manche Dinge nicht reden möchtest, und im Laufe der Therapiezeit kann sich außerdem eine Menge ändern, z.B. nachdem man Vertrauen gefasst hat und gute Erfahrungen miteinander gemacht hat.

Ich kenne diese Art zu denken aber von mir selbst: Man malt sich immer das Allerschlimmste aus, und allein mit dem Kopf lässt sich dagegen nur schwer etwas ausrichten. Es sagt sich sehr leicht, aber das beste ist, sich auf diese Erfahrung einzulassen.

Mein Therapeut hat mir immer klar gemacht, dass diese 50 Minuten, die wir da wöchentlich miteinander verbringen, meine Zeit mit ihm sind. Das heißt, ich darf auch bestimmen, wie ich die nutze, also das Gesprächsthema, oder ob ich schweige. Es gab auch mal eine Sitzung, da hat er mir eine Tasse Tee gemacht und wir haben uns über belanglose Alltäglichkeiten unterhalten. Das war sehr gut, weil es mir gezeigt hat, dass auch das völlig in Ordnung ist und dass ich willkommen bin, so wie ich (mich) gerade fühle.

Wie gesagt, das sind aber alles meine eigenen, persönlichen Erfahrungen. Pauschalisieren kann man das nicht. Ich wünsche Dir, dass Du auch selbst so gute machen kannst. Ich glaube, meistens hat ein Therapeut so eine ungefähre Ahnung, in welche Richtung das alles laufen könnte, aber auch kein Schema in der Tasche, in das der Patient dann passt oder nicht (obwohl es natürlich auch solche gibt - deswegen höre auf Dein Bauchgefühl).

Wenn Du mehr wissen möchtest, frag ruhig, aber wie gesagt, ich kann Dir immer nur schildern, wie ich das erlebt habe...

Alles Liebe,

Jordan
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R. M. Rilke
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