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Heute
ist das Krankheitsbild des Alkoholismus gut untersucht und gilt als die
folgenschwerste Suchtkrankheit. In Deutschland werden pro Jahr etwa 40 000
Alkoholtote gezählt, laut Statistik sind 2,5 Millionen Menschen alkoholabhängig
und 600 000 bis 1 Million gelten als Alkoholiker. Damit ist der Alkoholkonsum
die drittgrößte vermeidbare Todesursache - nach dem Rauchen und den Folgen von
falscher Ernährung und Bewegungsmangel. Neben den Süchtigen fordert der Alkohol
auch indirekte Opfer: Verkehrstote wegen Alkohol am Steuer und Kinder mit
alkoholbedingten Mißbildungen, vor allem weil die Mutter Trinkerin war.
Die
schlimmsten Wirkungen eines langanhaltenden Alkoholmißbrauchs sind neben
körperlicher Erkrankungen Abhängigkeit und Sucht. Der Griff zur Flasche dient
vor allem denjenigen Menschen als Kompensationsmöglichkeit von Konflikten und
Streßsituationen, die glauben, sie nicht anders bewältigen zu können.
Hans
Fallada hat in seinem Roman "Der Trinker" alle Stadien einer
Alkoholikerkarriere genau festgehalten. Eine Bezeichnung der verschiedenen
Formen der Sucht folgt der Einteilung nach Jellineck (Tabelle1). Der erste
Schritt auf dem Weg in die Abhängigkeit ist die Gewöhnung des Körpers an die
regelmäßige Alkoholzufuhr (Toleranz). Dabei müssen immer größere Alkoholmengen
aufgenommen werden, um die gleiche Rauschwirkung zu erzielen. Durch Induktion
des MEOS kann in kürzerer Zeit mehr Alkohol abgebaut werden (Tabelle 2), so dass
für den Gelegenheitstrinker sogar ansonsten tödliche Alkoholmengen toleriert
werden. Diese metabolische Toleranz wird noch durch einen anderen Mechanismus
ergänzt: Der Versuch des Nervensystems, durch Anpassung an die veränderten
Bedingungen seine Funktionsfähigkeit zu erhalten, wird als neuronale Toleranz
bezeichnet. In den komplizierten Verschaltungen der Nervenzellen im Gehirn
verstärkt Alkohol die hemmenden Impulse. Auf diese Weise ist seine beruhigende
Wirkung zu erklären. Eine langanhaltend hohe Alkoholkonzentration im Gehirn
führt jedoch dazu, dass das Nervensystem versucht, die verstärkte Hemmung durch
eine Vermehrung der anregenden Impulse auszugleichen, um weiterhin arbeiten zu
können. Der Zustand unter Alkoholeinfluß wird dann als Normalzustand
akzeptiert.
Der
Übergang von psychischer zu physischer, also körperlicher Abhängigkeit,
ist fließend. Fällt die regelmäßige Alkoholzufuhr plötzlich aus, überwiegen die
vom Nervensystem verstärkten anregenden Impulse, und es kommt zu den typischen
Entzugssymptomen wie Unruhe, Tremor, Übelkeit und Erbrechen. In schlimmen Fällen
kann es auch zu schweren Krampfanfällen und schließlich zum Delirium
tremens kommen, das sich neben Tremor und Übelkeit in Halluzinationen,
Muskelzuckungen und Krämpfen bis hin zum Koma äußert. Als Therapie bietet sich
an, die hemmenden Effekte von Alkohol an den Nervenzellen zu simulieren und dann
den Körper langsam wieder an den normalen Zustand zu gewöhnen. Beruhigungsmittel
wie Benzodiazepine greifen an denselben Stellen im Gehirn an wie die
Alkoholmoleküle, sind also für den körperlichen Entzug geeignet. Nach der
Entzugstherapie muss der entwöhnte Alkoholkranke aber weiterhin psychisch
betreut werden, damit er nicht rückfällig wird. In der Tat ist dies bei einem
hohen Anteil dieser Patienten eine große Gefahr. Nur die lebenslange absolute
Abstinenz führt bei Alkoholkranken dauerhaft zum Erfolg.
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